Kommentar  Protestkultur

Augarten statt Central Park: warum Protestieren aktuell ist

Meinung | Matthias Dusini | aus FALTER 38/12 vom 19.09.2012

We are the 99 percent“, schallte es vor einem Jahr durch die Straßen von Manhattan. Am 17. September 2011 besetzten Aktivisten die Wall Street, das Zentrum des Börsen- und Bankenkapitalismus. Sie protestierten im Namen der Mehrheit der US-Amerikaner, die von den Gaunereien der Broker ins Unglück gestürzt worden waren.

"Occupy Wall Street!“, so ein weiterer Slogan, wurde zum Schlagwort einer weltweiten Bewegung gegen die Verheerungen eines Kapitalismus, der den "freien Markt“ zum Fetisch erhob und damit die gemeinschaftlichen Anliegen der Demokratie aushöhlte.

Ein Jahr später - nach einem kalten Winter und intensiver Betreuung durch die New Yorker Polizei - ist von dem Aufstand in Manhattan kaum mehr etwas übriggeblieben. Und das, obwohl die Macht der Banken ungebrochen ist und die Regierenden mit weichen Knien die täglichen Berichte über die Aktienkurse abwarten: Was wird die Börse dazu sagen?

Auch in Wien gibt es noch einige Initiativen, die Luft in die Glut von Protest und Widerstand blasen. Veranstaltungen wie die von den Grünen initiierte Wienwoche oder der Aktionsradius (siehe S. 35) halten die Fahne der Urbanismus- und Kapitalismuskritik hoch. Hier geht es nicht um das große Ganze, sondern um die kleinen Freiräume: die demokratische Nutzung der Stadträume, die Gleichstellung der Geschlechter und ökologische Projekte.

Diese Protestkultur lebt von kommunalen Subventionen - ein Widerspruch? Gerade darin liegt der Unterschied zwischen dem privatisierten US-Staat und einer einigermaßen intakten Wohlfahrtsgesellschaft. Der Augarten darf nicht der Central Park werden! F


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