Am Apparat  Telefonkolumne

Ist die Waffen-SS wirklich harmlos, Frau Bailer?

Politik | aus FALTER 38/12 vom 19.09.2012

Diesmal waren es 300 Menschen, die am Wochenende zu einem "Heimkehrertreffen“ auf den Ulrichsberg pilgerten, um einer Rede des Waffen-SS-Veteranen Herbert Belschan von Mildenburg zu lauschen. Die Historikerin Brigitte Bailer, Leiterin des Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes, über rechtsextreme Folklore auf dem Kärntner Berg, die von der Kärntner Landesregierung finanziell gefördert wird.

Warum wurde die Waffen-SS 1946 zur verbrecherischen Organisation erklärt?

Weil Einheiten der Waffen-SS an einer Reihe von Kriegsverbrechen beteiligt waren. Außerdem gab es in der Waffen-SS einen Austausch zwischen Dienst an der Front und in Konzentrationslagern. Es ist zum Beispiel nachgewiesen, dass Waffen-SS-Mitglieder zuerst im KZ Dachau im Einsatz waren, wo mehr als 40.000 Menschen ermordet wurden, und danach an die Front wechselten.

Wer kam zur Waffen-SS?

Bis zum Jahr 1943 konnte man sich freiwillig melden. Danach gab es Einberufungen, aber denen konnte man sich entziehen. Bis 1943 traten die allermeisten aus Überzeugung bei.

Überrascht Sie, dass heuer ein Veteran der Waffen-SS die Festrede hielt?

Nein. In der Tradition des Ulrichsbergs war von Beginn an eine positive Bezugnahme auf die Waffen-SS vorhanden. Auf dem Ulrichsberg sind schon ähnliche Größen aufmarschiert.

Wer denn?

Das Ulrichsberg-Treffen war immer schon ein Aufmarsch von Nazi-Apologeten. Dort treffen sich regelmäßig alte Nazis und junge Neonazis. Es hat auch schon die Witwe Rost van Tonningens, eines bekannten Kriegsverbrechers, die selbst zeit ihres Lebens den Nationalsozialismus verteidigte, referiert.

Dass das Land Kärnten eine derartige Veranstaltung finanziell unterstützt …

… ist - um es kurz und bündig auszudrücken - ein Skandal.

Anruf: nina Horaczek


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