Gekuschelt wird nicht

Politik | Reportage: Ruth Eisenreich | aus FALTER 38/12 vom 19.09.2012

Die Fußfesseldebatte stellt den liberalen Strafvollzug infrage. Wie hart müssen Gefängnisse sein? Eine Erkundung

Schwere Körperverletzung“, sagt der Jugendliche und schnalzt eine Spielkarte auf den Tisch. Er ist klein gewachsen, dunkelhaarig, kaum älter als 15 oder 16 Jahre, ein unscheinbarer Bursche im schwarzen Shirt.

Er sitzt hier, weil er einen Jugendlichen verprügelt hat. Es war keine harmlose Schulhofrauferei: 20-mal hat er seinem Opfer mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Er hat auch nicht aufgehört, als das Opfer wehrlos am Boden lag.

Wie soll man so einen Schläger bestrafen? Bei Wasser und Brot in Dunkelhaft? Der Staat hat anders entschieden. Der Bursche kann in der Jugendabteilung der Justizanstalt Leoben in einer schlichten, hellen Wohnküche sitzen und Karten spielen. Ist das Strafe genug?

Der moderne Strafvollzug ist ins Gerede gekommen. Zuletzt im Fall eines mehrfachen Vergewaltigers, dem das Gericht eine Fußfessel gewährte. Sein Opfer hatte die Medien alarmiert.


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