Mediaforschung  Verführungskolumne

Werden die Grünen jetzt eine Wohlfühlpartei, Herr Radjaby?

Medien | Ingrid Brodnig | aus FALTER 38/12 vom 19.09.2012

Glückliche Menschen, helles Licht, bunte Farben: Die neuen Plakate der Grünen strotzen vor Zuversicht. Im Mittelpunkt steht dabei stets eine strahlende Eva Glawischnig, die mit Kindern spielt oder fröhlich mit Bürgern plauscht.

Eindeutig soll diese Kampagne Bürgernähe und Optimismus vermitteln. Dass die Republik gerade von schweren Korruptionsskandalen erschüttert wird, würde man angesichts dieser Happy-peppi-Optik kaum vermuten - wäre da nicht dieser bunte Balken. Auf Grün und Magenta stehen Botschaften wie "Wir sind nicht Part of the Game“ oder "100 % bio, 0% korrupt.“ Ein bisschen Politik fand auf den Plakaten also doch noch Platz.

Saubere Politik und saubere Umwelt, das seien die zwei Kernthemen der Plakatreihe, erklärt Kampagnenchef Martin Radjaby. Aufgenommen wurden die Fotos übrigens am Rande der Sommertour von Eva Glawischnig, bei der die Parteichefin möglichst nah ans Volk sollte.

Aber ist plakatierter Optimismus derzeit wirklich angebracht? Und warum ist die neue Kampagne nicht angriffslustiger?

"Die Plakate sind auch Teil einer Erweiterungsstrategie, um neue Zielgruppen anzusprechen“, verrät Radjaby und denkt an Wähler jenseits des harten grünen Kerns.

Die Grünen setzen also auf mehr Emotion. Worte wie "Wohlfühlpartei“ oder "Volksnähe“ hört Radjaby trotzdem nur ungern: "Es ist sicher nicht Strategie der Grünen, eine Bierzeltpartei zu werden, diese Gefahr sehe ich auch gar nicht.“


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