Enthusiasmuskolumne  Diesmal: die beste Sonntagsgestaltung der Welt der Woche

Zur Himmelfahrt ins Höllental an der Rax

Feuilleton | aus FALTER 38/12 vom 19.09.2012

Das Gefühl einer Ausgeglichenheit zwischen dem Ich und der Welt stellt sich spätestens dann ein, wenn die Sonne am späten Nachmittag auf die Wiesen von Hinternasswald scheint. Ein halsbrecherischer Abstieg liegt gerade hinter einem, aber da streift ein pazifistischer Windhauch durch die Lärchen. Die Bäume schütteln die letzten, frostigen Nächte ab; noch wollen sie nicht in den goldenen Herbstmantel.

Die winterliche Kahlheit ist weit weg. Keiner will sie, auch wenn oben auf der Heukuppe, einem Gipfel des Raxmassivs, schon ein paar Streifen Schnee liegen. Als hätte der neue Gast seine Koffer ins Foyer gestellt, ehe das Zimmer geräumt ist. Haben Sie noch etwas Geduld!

Die Rückseite der Rax sucht man auf, wenn einem die riesigen Parkplätze an der Seilbahn in Reichenau bedrohlich erscheinen. An sonnigen Sonntagen bleibt da kein Platz frei, und oben verwandeln sich die Wege in Promenaden. Der Ruhebedürftige fährt durchs Höllental weiter nach Nasswald und Hinternasswald, zwei von Holzarbeitern gegründete Weiler, und den Bach Schwarza entlang.

Am Talende führen dann mehrere Wege auf die Raxalmen hinauf. Es sind durchwegs steil aufsteigende Steige, die in der Sommerhitze den Vorteil haben, dass sie vormittags nicht in der prallen Sonne liegen. Doch auch im Schatten kommt man aus dem Schwitzen nicht heraus, zumal auf der sogenannten Wildfährte eine längere Kraxlerei an Eisengriffen entlang gefordert ist.

Die Menschen wirken trotz der Anstrengung gelöst; freundlich die Vereinzelten, redselig die in Gruppen Gehenden. Jeder Schritt ist für sie ein kleiner Fortschritt. Am Abend legt sich dann die Müdigkeit wie eine warme Decke über den Körper. "Cause I’m a wanderer, yeah a wanderer …“

Matthias Dusini


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