Unterirdisch

Feuilleton | aus FALTER 38/12 vom 19.09.2012

Mit seiner Fall-Fritzl-Fiktionalisierung "Claustria“ liefert der Franzose Régis Jauffret das erbärmlichste und dümmste Buch der Saison

KRITIK: KLAUS NÜCHTERN

Es dauert ein bisschen, bis das sogenannte "Unsagbare“ als Stoff für die Kunst und die Unterhaltungsindustrie freigegeben wird, aber es dauert nicht ewig. Die vierteilige Serie "Holocaust“ kam 1978 ins Fernsehen, die ersten Folgen von Art Spiegelmans berühmtem Comic "Maus“ (in der die Juden als Mäuse, die Deutschen als Katzen und die Polen als Schweine dargestellt werden), erschien zwei Jahre später. Im Falle der Anschläge auf die Twin Towers vom 11. September 2001 dauerte es gerade einmal zwei Jahre, bis Frédéric Beigbeders Roman "Windows of the World“ erschien und zahlreiche weitere Bearbeitungen des Stoffes (u.a. von Jonathan Safran Foer, Don DeLillo und Colum McCann) folgten.

Nun also der Fall Fritzl. Bereits 2009 hatte sich der Off-Theatermacher und Hitler-Imitator Hubsi Kramar des Stoffes in seiner Farce "Pension

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