Das Sterben ist ein Hit

Feuilleton | aus FALTER 38/12 vom 19.09.2012

In seiner Erfolgsproduktion "Hate Radio“ bringt Regisseur Milo Rau den Sound des Völkermords auf die Bühne

bericht: wolfgang kralicek

Man kann sich 800.000 Tote nicht vorstellen. Mindestens so viele Menschen wurden 1994 in Ruanda getötet. Innerhalb von nur 100 Tagen haben Angehörige der Hutu-Mehrheit drei Viertel der Tutsi-Minderheit ausgelöscht; der ostafrikanische Staat war damals die Hölle auf Erden.

In seiner Inszenierung "Hate Radio“ macht der Schweizer Regisseur Milo Rau, 35, den Völkermord zum Thema. In der zweistündigen Performance fließt jedoch kein Blut, es gibt keine Gräuelszenen. Ort der Handlung ist ein Radiostudio, das genauso aussieht wie die meisten Radiostudios: ein paar Tische, ein paar Sessel, Glaswände, Mikrofone. Nur dass neben den Moderatoren auch ein bewaffneter Soldat herumlungert, passt nicht ins Bild.

Die Szene ist die detailgetreue Rekonstruktion jenes Studios, aus dem Radio-Télévision Libre des Milles Collines (RTLM) gesendet hat. RTLM war viel populärer


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