Nüchtern betrachtet 

Fragwürdig vorschnelle Obstvergleichsverbote

Feuilleton | aus FALTER 38/12 vom 19.09.2012

Die Spätsommer- oder Frühherbsttage, die wir zurzeit erleben dürfen, sind wie die Birnen, die sie hervorbringen: süß, saftig und zum alsbaldigen Verzehr gedacht. Dem Auslassen sich anbietender Alliterationen bin ich ansonsten abhold, aber das sich aufdrängende "sinnlich“ scheint mir seltsamerweise suboptimal. Ich finde "sinnlich“ schwieriger als "sexy“. "Sinnlich“ klingt nach Vorabendserien, in denen leicht übergewichtige Frauen in tief dekolletierten Dirndln mit Mistgabeln und Milchkannen hantieren. "Sinnlich“ ist das Wort, das Menschen mit einem fragwürdigen Faible für Filzschmuck und einem jahreszeitenunabhängigen Hang zur Kerzenbeleuchtung verwenden, wenn sie andeuten, dass sie sich in ihrer Freizeit auch für Sexualität interessieren; eine klassische Connaisseursvokabel aus der Kuschelbärenweekendwelt, in der man sich schon einmal ein sinnliches Schaumbad und ein schönes Glas Wein gönnt. Gegen "sinnlich“ muss man eigentlich schon deswegen sein, weil "Sinn


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