Ins Mark  Der Kommentar zur steirischen Woche

Anders logisch

steiermark | aus FALTER 38/12 vom 19.09.2012

Gerlinde Pölsler

ist Redakteurin

im Steiermark-Falter

Wieder einmal hat Bürgermeister Nagl bewiesen, dass er nur das Beste für seine Grazer will. Kurzerhand legte er den Termin für die Gemeinderatswahl um zwei Monate nach vor, fairerweise erfuhren das die anderen Parteien schon einen Tag später aus den Medien. Dies bedeute "den kürzesten Wahlkampf in der Geschichte der Stadt“, auch die Wahlkampfkosten würden "dadurch eingedämmt“.

Wer Nagl kennt, weiß, wie unangenehm es ihm ist, die Bürger mit Wahlwerbung zu behelligen, und wie knausrig seine Kampagnen ausfallen. Schon vor der Wahl 2008 beschied er sich mit 100.000 Adventkalendern und höchstens achtseitigen Werbestrecken, und das auch nur in den wichtigsten Regionalmedien und nur circa vier Monate lang. Jedenfalls kurz wird der Wahlkampf für die anderen Parteien, dem Überraschungsmoment sei Dank. Auch sonst ist in diesem Wahlkampf alles sehr stringent. Der Slogan "Graz anders denken“ für einen erst seit zehn Jahren amtierenden Jungspund, das knallt. Gut, daraus, dass die Grazer Nagl bei der Bürgerbefragung bei beiden Themen klar die Gefolgschaft verweigerten, abzuleiten, sie sehnten eine - seine - absolute Mehrheit herbei, ist vielleicht für Laien nicht ganz nachvollziehbar.

Wie ausgeklügelt aber doch alles ist, dafür öffnet die Aussendung der Grazer Wirtschaftsbund-Obfrau die Augen. Die Wirtschaft begrüße den vorverlegten Wahltermin, denn: "Damit wird das Weihnachtsgeschäft nicht durch den Wahlkampf beeinträchtigt.“ Natürlich! Das Geschäft zu beeinträchtigen, sei es durch gemeines Betteln oder durch solitäres Biertrinken in abgerissenen Jeans anstatt durch kollektives in Lederhosen - dagegen ist Nagl immer schon gewesen. F


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