Theater  Kritiken

Auf der Wiesn gibt’s koa Sünd: Horváth mal drei

Lexikon | aus FALTER 39/12 vom 26.09.2012

Armer Kasimir, ohne Geld ist man halt der letzte Hund. Raunzt besagter Kasimir. Wie auch sonst bei Ödön von Horváth sind aber im Volksstück "Kasimir und Karoline“ (1932) nie die Männer wirklich arm, sondern die Frauen, oder besser gesagt: die Fräuleins. Die Herren der Schöpfung demütigen, betrügen, oft genug schlagen sie die Frauen auch noch. Karoline geht es da nicht besser. Auf dem Oktoberfest zerstreitet sie sich mit Kasimir, dem gestern gekündigt wurde, macht merkwürdige Herrenbekanntschaften und steht am Schluss ganz alleine da, während Kasimir mit Erna, der Freundin seines Ex-Spezis Merkl Franz, weggeht.

Dieser Tage zeigen in Wien zwei Inszenierungen diese Wirtschaftsdepressionsgeschichte. Am Theater in der Josefstadt lässt Georg Schmiedleitner Harald Windisch und Katharina Straßer durch eine zeitlose Geisterbahn der Gefühle hasten. In der Mitte der Bühne hängt ein Riesenwürfel, innen mit Glühbirnen bestückt. Der ist einerseits jede Wiesn-Attraktion vom Toboggan bis zum Hippodrom und gleichzeitig ein Pulsmesser, blinkt und rattert er doch fröhlich, als Kommerzienrat Rauch, besoffen und geil auf Karoline, einen Anfall erleidet. Heribert Sasse übertrifft sich selbst als jenes lüsterne Kapitalistenschwein. Auch die anderen machen wenig falsch, und Katharina Straßer führt als Fleißaufgabe vor, wie man ziemlich ordinär Eis essen kann.

Als eine Art Musikantenstadl inklusive Gaudi-Live-TV kommt dagegen die Produktion von Ulf Dückelmann in den Rosenhügelstudios daher. Alles wird hier gezeigt, selbst das, was zwei andere Fräuleins "Munderotik“ nennen. Toll ist allerdings der Hard-Chor aus Linz, der das Geschehen untermalt. Am Samstag hat dann in der Scala eine dritte Version Premiere.

MARTIN LHOTZKY

Theater in der Josefstadt, Fr, Do 19.30; Filmstadt Wien, Fr, Sa 20.00; Scala, Premiere Sa 19.45


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