Kunst  Kritik

Die Komödiantin der Unendlichkeit

Lexikon | aus FALTER 39/12 vom 26.09.2012

Die schottische Künstlerin Katie Paterson zeigt in der Ausstellung "Inside this Desert“ einen Überblick über ihr Schaffen, das in der Tradition konzeptueller Kunst steht. Sie stellt die Idee über das Produkt und überlässt dessen Ausführung Handwerkern. Ihr Thema sind die Weiten des Universums und das nicht vorstellbare Alter von Meteoriten, mithin Wissensgebiete der Astronomie, die sie in simple Darstellungen übersetzt. "All the Dead Stars“ (2009) besteht aus einer astronomischen Karte, welche die Positionen von erloschenen Sternen dokumentiert.

"History of Darkness“ ist ein Diaarchiv. Die (schwarzen) Bilder geben die Dunkelheit verschiedener Orte des Universums zu verschiedenen Zeitpunkten seiner Milliarden von Jahren umfassenden Geschichte wieder. Ein Plattenspieler läuft in Erdgeschwindigkeit. Jedes Mal, wenn ein Besucher die Tür zum Ausstellungsraum öffnet, erklingt das Geräusch eines sterbenden Sterns. Wie traurig, dass auch Himmelskörper, die Symbole romantischer Sehnsucht, ins Grab der Universalgeschichte müssen!

Als vor 120 Jahren die Wissenschaft die Fotografie für Experimente verwendete, entstanden unwissenschaftliche Nebenprodukte. Sogenannte Geisterfotografien suggerierten mit den geheimnisvollen Strahlen die Anwesenheit von Gespenstern. Nicht anders macht sich Paterson die Tatsache zunutze, dass die menschliche Imagination dort am lebhaftesten wird, wo die Grenze des Sichtbaren erreicht wird. Ein besonders reizvoller Beleg dafür ist das Fundstück aus einer US-TV-Sendung. Die einminütige Ausstrahlung zeigt das Dunkel am entferntesten Punkt des beobachtbaren Universums vor 13,2 Milliarden Jahren. So finster hat die Mattscheibe noch nie geflimmert. Paterson macht Witze über die Unendlichkeit, treffsicher und hintersinnig. MD

Bawag Contemporary, bis 11.11.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige