Kunst  Kritiken

Künstler und Arbeit: Sag einfach Nein!

Lexikon | aus FALTER 39/12 vom 26.09.2012

Heute schreibe ich nichts“, notiert die spanische Künstlerin Dora García auf einem Zettel, der im Projektraum Viktor Bucher zu sehen ist. Der Kurator Niekolaas Lekkerkerk hat hier Werke versammelt, die auf das Thema "Kunst oder Leben“ Bezug nehmen. Unter diesem Titel steht die gute Ausstellungsreihe "Curated by“, die derzeit in zwei Dutzend Wiener Galerien stattfindet. Finanziert durch das kommunalen Fördertopf Departure, soll das Projekt das routinierte Programm der Galerien auflockern. Mit ihrem Nichts huldigt García dem Anti-Produktivismus der historischen Avantgarde. In der Zeit industrieller Schwerarbeit war der Streik ein probates Protestmittel. Wie aber schaut künstlerischer Widerstand heute aus, wo das Zauberwort Kreativität die Grenzen zwischen Selbstbestimmung und Selbstausbeutung verschwimmen lässt?

Auch Pilvi Takala sagt "Nein“. Ihr Videofilm "Trainee“ dokumentiert den Job bei einem Marketingunternehmen. Die anfänglich engagierte Praktikantin schüttelt immer öfter den Kopf. Nicht alle reagierten die Frage von Chefkuratorin Eva Maria Stadler, "wie die Kunst zu dem Verhältnis von Arbeit und Leben steht“, so negativ.

Lóránd Hegyi, ehemaliger Direktor des Museum moderner Kunst, wählte für die Galerie Marion Mauroner den belgischen Künstler Jan Fabre aus. "Jan Fabres Leben ist seine Arbeit; er existiert als Mensch nur in dieser vitalen, wilden, schöpferischen Aufregung und ständigen Intensität“, schreibt Hegyi. Zu sehen sind einige von Fabres monumentalen, poetischen Darstellungen von Schildkröten und Hirnmasse in Marmor. Die Kuratorin Margrit Brehm wiederum hat in der Gabriele Senn Galerie mit Georg Herold und Bob and Roberta Smith zwei Positionen ausgewählt, die Latten und Bretter als Material verwenden: das Leben als Baustelle. MD

Div. Galerien, bis 25.10.


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