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Arbeitsmigration in Moldawien: Mama illegal

Lexikon | aus FALTER 39/12 vom 26.09.2012

Sei gut und brav und pass auf Papas Grab auf“, sagt Aurica zum Abschied zu ihrer Tochter. Tränenerstickte Selbstvorwürfe wechseln mit der Erklärung, dass alles nur für die Kinder geschehe: Aurica ist eine jener Moldawierinnen, die als Putz- und Pflegekräfte illegal nach Westeuropa reisen, weil sie in ihrer Heimat keine Arbeit finden. Ein Drittel der Bevölkerung hat das ärmste Land Europas bereits verlassen.

Ed Moschitz’ Dokumentarfilm "Mama illegal“ porträtiert drei dieser Frauen und ihre Familien: Aurica und Nataşa in Österreich, Raia in Italien und ein Dorf in Moldawien wurden über sieben Jahre begleitet. Der Film konzentriert sich dabei ausschließlich auf seine Protagonisten. Die wichtigsten Informationen erscheinen als Text, darüber hinaus wird den oft sehr intimen Bildern kein Kommentar hinzugefügt.

Moschitz geht es nicht um Lösungsvorschläge, wo keine Lösung parat ist. Stattdessen macht sein Werk die emotionale Situation der Menschen deutlich: Hoffnung, Stärke und Mut, Sehnsucht, Trauer und Frustration, Entfremdung und Unverständnis für die jeweils andere Seite prägen die Beziehungen. Nicht selten zerreißen Familien durch das Dilemma: Ist es schlimmer, mit einer Mutter in bitterer Armut oder ohne Mutter unter besseren materiellen Bedingungen aufzuwachsen?

"Mama illegal“ bewegt und bedrückt mit schonungslosem Hinschauen: Es gibt Szenen, in denen der Zuseher um der Kinder willen wünscht, die Kamera wäre nicht dabei gewesen. Andererseits trägt der Film die Situation seiner Protagonisten damit so eindringlich an die Oberfläche, dass Schönreden ausgeschlossen ist. Vielleicht ist diese Offenheit auch eine Art Katharsis für die Frauen, die ihre Lage sonst in Unsichtbarkeit ertragen müssen. SABINA ZEITHAMMER

Ab Fr in den Kinos


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