Kolumne  Außenpolitik

Die Libyer verjagen Islamisten, die Ägypter beugen sich ihnen

Meinung | Franz Kössler | aus FALTER 39/12 vom 26.09.2012

Noch immer hat sich die Aufregung in der islamischen Welt über Video und Karikaturen nicht gelegt. Beide waren als Provokation gedacht und hatten Erfolg damit. Darüber hinaus haben sie eine unbeabsichtigte Dynamik ausgelöst: Zum ersten Mal zeigen die neuen arabischen Gesellschaften Anzeichen einer Zivilgesellschaft.

Es herrscht eine klare Differenzierung zwischen der manipulierten Massenempörung in staatsislamischen Ländern wie Pakistan oder dem Iran und der Reaktion in den Gesellschaften, die gerade ihre Diktaturen gestürzt haben und sich jetzt in einer heiklen, oft unübersichtlichen und unberechenbaren Übergangsphase befinden.

In Bengasi, wo der libysche Volksaufstand begonnen hat, verjagten letzte Woche Demonstranten die radikalislamische Ansar al-Sharia aus der Stadt. Die Miliz hat vermutlich bei der Ermordung des US-Botschafters Chris Stevens eine zentrale Rolle gespielt.

Zehntausende empörte Bürger stürmten - unbewaffnet - das Hauptquartier der bewaffneten Miliz, die schließlich


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