Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Matthias Dusini | aus FALTER 39/12 vom 26.09.2012

Neger muaß man ja net sagen“, sagt der Bürgermeister zu seinem Kumpel, dem Wirt. So unwahrscheinlich wie dieser Dialogfetzen ist die Sprachfärbung der Protagonisten von "Braunschlag“ insgesamt (Dienstag, 21.05 Uhr, ORF 1); sie hören sich an, als würden sich Wiener Schauspieler in einer Theatermensa treffen. Doch auch wenn die Handlung der TV-Serie im nördlichen Waldviertel angesiedelt ist, das bodenständig Authentische ist nicht deren dramatisches Prinzip.

Vielmehr stehen ortlose Seinszustände wie Einsamkeit und Sehnsucht im Vordergrund. Im kalten Kontinent der Häuslbauer starren Hausfrauen trübsinnig auf den Mikrowellenherd, suchen im Club "Streichelzoo“, in Plüschtierkostüme gehüllt, nach anonymer Zärtlichkeit. Der Kabarettismus, d.h. das Vertrauen auf den Unterhaltungswert bekannter Comedians wie Robert Palfrader, zerstört die ernsthafte, dunkle Atmosphäre nicht. Eine gelungene Voralpensaga ohne Vieh. F


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