Der Reiz des Unvorstellbaren

Feuilleton | aus FALTER 39/12 vom 26.09.2012

Das Filmmuseum zeigt eine Doku über den Rennfahrer Ayrton Senna. Ein Filmemacher und Formel-1-Fan hat sich das für uns angesehen

O-Ton: Peter Tscherkassky

Als Zwölfjähriger habe ich in Zeltweg noch Jochen Rindt fahren gesehen, bei seinem letzten Grand Prix. Ein Onkel aus Knittelfeld hatte mich zum damals ganz neuen Österreichring mitgenommen. Das war 1970. Beim Training habe ich durch den Zaun einen Zettel gesteckt und ein Autogramm von Jo Siffert gekriegt. So eine Nähe zum Fahrerlager zeigt schon, dass das eine völlig andere Formel 1 war.

Als zwei Wochen später in Monza Jochen Rindt tödlich verunglückte, lag ich mit Grippe im Bett. Ich hab das Radio aufgedreht, es liefen gerade Nachrichten - und sie haben über Rindts Leben in der Vergangenheitsform gesprochen. Da war klar, was passiert sein musste. Diesen traumatischen Moment werde ich nie vergessen. Der Tote in meinem Zimmer jedenfalls hieß nicht Jesus, sondern Jochen: Da hing kein Kruzifix, sondern ein riesiges Rindt-Poster.


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