Buch der Stunde

Im Spinnennetz des Doktor Maar

Feuilleton | aus FALTER 39/12 vom 26.09.2012

Wenn der Literaturkritiker und Motivmeisterdetektiv Michael Maar mit 51 ein erstes fiktionales Buch veröffentlicht, das den Titel eines seiner literarischen Hausgötter und Studienobjekte (Proust, Nabokov, J.K. Rowling und eben Thomas Mann) leicht abgewandelt übernimmt, darf man davon ausgehen, dass an Akrobatik auf der Metaebene kein Mangel herrschen wird.

Der im Literaturbetriebsmilieu angesiedelte Roman "Die Betrogenen“ kreist anfangs um den noch immer charismatischen, aber in gleich mehrfacher Hinsicht nachlassenden Schriftsteller Arthur Bittner und dessen jüngeren Adoranten und präsumptiven Biografen Karl Lorentz. Anders als in Daniel Kehlmanns "Ich und Kaminski“ ist diese Konstellation aber weniger von satirisch überhöhter Asymmetrie gekennzeichnet als vielmehr von einer schwer zu durchschauenden Gemengelage an Interessen und Erwartungen: Ständig scheinen sich all die Kritiker und Autoren, Agenten und Lektoren, Galeristinnen und Professoren, die diesen ausgesprochen schmalen


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