Stadtrand Urbanismuskolumne

Handschuhe werden völlig überbewertet

Stadtleben | aus FALTER 39/12 vom 26.09.2012

Schon lange nicht mehr über das Wetter geplaudert? Unmöglich! Wenn man nicht gerade, ohne es zu merken, in belanglose Wettergespräche mit Nachbarn oder anderen Smalltalkpartnern flüchtet, um davon abzulenken, dass man sich eigentlich nichts zu sagen hat, dann passiert es doch tatsächlich immer wieder, dass sich der eigene Kopf Wettergedanken macht. Beispielsweise dieser Tage: wenn er einen dazu ermahnt, morgens die Handschuhe einzupacken und eventuell sogar den Schal anzulegen. Es ist nämlich so weit: Herbst! Auch wenn ein - meist jugendlicher - Teil der Bevölkerung das nicht wahrhaben will.

Diese Realitätsverweigerer sind schon aus Dutzenden Metern Entfernung zu erkennen. An ihrer stacheligen Gänsehaut nämlich: In kurzen Hosen, ärmellosen T-Shirts oder Minikleidern, manchmal sogar bauchfrei halten sie stur am Hochsommer fest und versuchen, betont lässig zu überspielen, dass sie fast vor dem Erfrieren sind - wäre da nicht dieser verräterische Gesichtsausdruck: die eingesaugten Wangen, mit denen die klappernde Kinnlade fixiert werden soll. F


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige