Dass Autoren die Nacht gerne nutzen, um vor einem leeren Blatt Papier zu verzweifeln, ist kein Klischee. Keine Tageszeit eignet sich besser, sich im Strudel nagender Selbstzweifel und künstlerischer Wehleidigkeit zu versenken. Dabei lässt sich auch wunderbar über die Nacht schreiben - deshalb hat DURST Studierende der Sprachkunst an der Universität für Angewandte Kunst in Wien genau dazu aufgefordert. Das Ergebnis liest sich düster und todessehnsüchtig, aber auch tröstend. Man hat es eben nicht leicht als Literat zur dunklen Stunde. Den besten Beitrag drucken wir in voller Länge, die anderen in Auszügen.

Sex, Tod und Rotwein

Durstlöscher | Redaktion: Georg Eckelsberger | aus FALTER 40/12 vom 03.10.2012

Für DURST haben sich Studierende der Sprachkunst Gedanken zum Thema Nacht gemacht. Sie erzählen vom Lieben, Sterben und Trinken - die Nacht ist eben kein Kindergeburtstag.

Stillleben im Hafen, Aquarell auf Leinwand

von Teresa Dopler

Teresa Dopler, 22

Geboren in Linz

Seit Herbst 2010 inskribiert am Studiengang Sprachkunst

Die Wimpern der jungen Frau reiben bei jedem Blinzeln am Kopfpolster und rascheln durch den Schädel bis in ihr Gehirn. Sie versucht die Augen ohne Blinzeln offen zu halten, dreht sich auf den Rücken und stützt die Decke mit ihrem Blick. Die Laterne draußen vorm Fenster zeichnet ein Muster an die Wand. Er liegt ruhig neben ihr, atmet tief, sein Nasenloch pfeift zweistimmig. Er hat seinen Arm quer über ihren Bauch gelegt und drückt auf die volle Blase, manchmal zucken seine Finger, seine Oberarme oder seine Schultern. Alle Männer zucken beim Einschlafen. Sein Atem riecht nach Avocadoaufstrich mit Zitrone. An Avocados gefallen der jungen Frau die Kerne am besten, die sind


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