Film  Neu im Kino

"On the Road“ nach Jack Kerouac: Prost, Proust!

Falter : Woche | aus FALTER 40/12 vom 03.10.2012

Wer reist, gerät leicht auf Abwege; da sind Wegmarken und vorgespurte Bahnen hilfreich. Bei der Erstadaption von Jack Kerouacs Reise- und Beat-Generation-Schlüsselroman "On the Road“ von 1951 geizt der Brasilianer Walter Salles (der 2004 "Die Reisen des jungen Che“ verfilmte) nicht mit Orientierungshilfen für uns: Alles ist wiedererkennbar. Die lose Folge von Autostopp, Kurzzeitjob, Party mit Alk, Gras und Pulverln, dazwischen bürgerliche Familienbindungen und Anläufe zum dicken Ende, sei dies Freitod, Abtauchen im Orient oder Schöpfung eines Meisterwerks - all dies rastlose Pendeln einer Literatensubkultur zwischen Proustlesen und Zuprosten könnte ein etwas formloses (deshalb nicht gleich schlechtes) Roadmovie ergeben. Doch die Inszenierung hält das Schwärmen im Zaum.

Schnellschnitt und Untermalung mit Rezitation, Jazz und Blues bleiben auf Regieeinfallsniveau; das irritiert oder begeistert eh ein bissl, aber nicht zu sehr. Bezeichnend, dass die Kamera auch in den Intimdialogszenen der Alter Egos von Kerouac und Lebensmensch Dean Moriarty Schuss-Gegenschuss-Routine abspult, als wär’s "Ein Fall für zwei“, dabei aber - pflichtgemäß - wackelt.

Die Reise hat kein Ziel, aber Stationen mit markanten Star-Erscheinungen: In "Altersrollen“ glänzen Kirsten Dunst als vom Dichter verlassene Versorgerin seiner Kinder, Viggo Mortensen als William Burroughs, Steve Buscemi als Spießer in the closet. Und die Jungen: Garrett Hedlund, Sam Riley (der Ian Curtis aus "Control“), Kristen Stewart, den "Twilight“-Fängen fast entronnen, sind schön, spielen gut, haben Sex, auch zu dritt. Jedoch: Bei all seinen beachtlichen Schauwerten fehlt dem Film so etwas wie Perspektive(n), z.B. was Brüche im Bubenfreundschaftsmachismo betrifft, und wenn der Sex gegen Ende etwas schwuler wird, erweist sich der ostentativ freizügige Film doch als prüde. DREHLI ROBNIK

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)


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