herbst-Ausstellungen: Sieben Seiten einer kaum konkreten Wahrheit

Falter : Woche | Kritik: Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 40/12 vom 03.10.2012

Das diesjährige herbst-Motto "Truth is concrete“ kommt dem Kunstverein sehr entgegen. Die Fragen zum Verhältnis von Politik und Kunst sind dessen Spezialität, wie die anschauliche Präsentation "Absolute Democracy“ beweist. Camera Austria hat das Feld Anna Jermolaewa überlassen. Die war dort unterwegs, wo Politik und Kunst noch ganz programmatisch ineinandergreifen und zeigt ein Panoptikum von Verbildlichungen kubanischer Revolutionsmythen. Beim Grazer Kunstverein und beim Medienturm geht man der Sache, wie zu erwarten war, auf einer mehr metasprachlichen Ebene auf den Grund und analysiert die Formalia rund um Macht, Gewalt und Rebellion. Das wirkt schon fast so eskapistisch wie die reich bestückte Personale, die das Kulturzentrum bei den Minoriten dem Künstler Alois Neuhold eingerichtet hat. Neuholds "wurlerte Tropfsteinlegenden“ entwickeln dem Thema gegenüber eine defensive Strategie aus Poesie. Kein Vergleich zum Versuch des Kunsthauses, eine "Cittadellarte“ der Marke Michelangelo Pistoletto in sich erstehen zu lassen. Kommunenatmosphäre in das System zu integrieren, ist, selbst unter Einsatz von viel ungehobeltem Fichtenholz, aber eher schwierig. Und so mutet die Ausstellung fürs Erste mehr wie eine Persiflage an: sie zeigt so etwas wie das Bühnenbild eines Camps.

Abseits des offiziellen herbst-Programms trifft jedenfalls ein Künstler die Sache mit der Wahrheit so punktgenau wie kaum ein Zweiter: Daniel Hafner hat in der Katholischen Hochschulgemeinde die Konkretheit der Wahrheit in der Greifbarkeit des Konjunktivs noch überboten. Und das ist sensationell! F


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