Viktor Bodó hat es wieder getan: Das Schauspielhaus startet die Saison mit "Amerika“

Falter : Woche | Kritik: Hermann Götz | aus FALTER 40/12 vom 03.10.2012

Und wieder dreht sich die Drehbühne als Metapher für die ungnädige Kafka’sche Welt, das Hamsterrad seiner Protagonisten. Zwischen den hohen Stahlwänden, die erst das Schiff vorstellen, dann des Onkels Haus und Firma und so weiter, irrt Claudius Körber als Karl Roßmann über die Bühne - eine perfekte Besetzung wie einst Andrea Wenzl in Viktor Bodós Alice-Interpretation. Unter der Regie des Graz-Stammgasts, der mit "Amerika“ seine zweite Kafka-Dramatisierung zeigt, staunt sich der Hauptdarsteller durch den Abend: ein zerbrechlicher Hans im Unglück. Und das Publikum staunt wieder mit. In Bodós straffer Version wird Kafkas Erzählung zum märchenhaften Stationendrama, das - abzüglich der gar nicht jugendfreien Sex- und Gewaltszenen - wunderschönes Kindertheater wäre. Inklusive der ungebrochenen Liebe des Regisseurs für jedes Spektakel, das so eine Dreh- und Hebebühne leistet. Schließlich legt Bodó Hinterbühne und Technik frei - und damit die Funktionsadern seiner Illusionsmaschine. Treue Abonnenten, die hier das sechste Bodó-Kunstwerk kennenlernten, werden eine Menge Selbstzitate ausgemacht haben - und auch Schwächen. Der ungarische Off-Szene-Star hat zwischen den stets eindrucksvollen Bildern (Bühne: Juli Balázs) und Tönen (Musik: Klaus von Heydenaber) lobenswert viel Text übrig gelassen. Doch (deutsche) Textarbeit ist nicht seine Stärke. Übrigens auch nicht die seiner ungarischen Schauspieler. Und jeder Ausflug ins Sprechtheater stört den starken Rhythmus dieses Abends. Bodó ist immer noch sehr gut. Aber er ist nicht besser geworden. F

Schauspielhaus, Graz, Sa, So, Mi 19.30


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