Zeit am Schirm

TV-Kolumne

Medien | Matthias Dusini | aus FALTER 40/12 vom 03.10.2012

Das Fernsehen ist öffentlich, das Internet privat. Im TV machen Menschen Liebe, im Computer Pornografie. Daher sind sogar auf südenglischen Landgütern spielende Romanzen voller Liebesszenen, die die beglückende Kraft sexueller Vereinigung darstellen. Die Körper der Frauen schütteln sich in wilder Ekstase, durchtrainierte Männerkörper spannen sich im Gegenlicht des Kerzenscheins. Und das, obwohl die Filmhelden gerade einen harten Tag auf dem Pferdegestüt hinter sich haben.

Die Serie "Homeland“ weicht nun vom Kanon televisionärer Sexszenen ab. Sie erzählt die Geschichte eines Irak-Veteranen, der jahrelang in der Gefangenschaft lebte. Seine Gattin hatte inzwischen eine Affäre mit einem Freund des Soldaten, will dann aber den ehelichen Sex wiederaufleben lassen. Wie in einem Rosamunde-Pilcher-Film zieht sie das Negligé aus, erlebt dann aber eine überraschende Reaktion: Sergeant Brody masturbiert. So trostlos ist doch sonst nur das Internet.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige