Enthusiasmuskolumne  

Selbst wenn er deppert ist, ist er noch klug

Diesmal: Der beste Edutainer der Welt der Woche

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 40/12 vom 03.10.2012

Obwohl sie so tut, als würde sie sich über die historische Sendung gleichen Namens lustig machen, ist "Willkommen Österreich“ in Wirklichkeit deren perfekte Fortsetzung. Sie hat sich bloß dem selbstironischen Zwinkerzwang des verjüngten Zielpublikums angepasst. Ansonsten ist man im Wohnzimmer weiterhin unter sich: Die Gäste entstammen bevorzugt dem TV-Unterhaltungsmilieu.

Am besten ist die Late-Night-Show, wenn Stermann & Grissemann in die Rollen bekannter Persönlichkeiten schlüpfen ("Frisch gekocht“, "Die Fischers“) oder wenn sie Roger Willemsen einladen, wie dies vergangene Woche bereits zum dritten Mal der Fall war. Willemsen ist das rare Beispiel eines Medienprofis, der die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllt und doch eine Ahnung davon hinterlässt, dass da noch was geht. Als Moderator von Talkshows wie "0137“ oder "Willemsens Woche“ hat der mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete Fernsehmacher, Schriftsteller, Jazz-Enthusiast und Publizist gezeigt, dass man sich für seine Gäste auch interessieren könnte.

"Du gehörst zu den Menschen, denen man einfach gerne zuhört - scheißegal, was du sagst“, lobte Dirk Stermann seinen Kollegen. Das ist richtig und falsch zugleich. Denn man hört Willemsen eben nicht deswegen so gern zu, weil er einem jeden Quatsch verkaufen kann, sondern weil selbst sein Geblödel noch geistreich ist. Als Kind muss er in einen großen Topf mit dem Elixier der Wissbegier gefallen sein. Davon und von seiner stupenden Fähigkeit, die eigene Enthusiasmiertheit in Begeisterungsfähigkeit umzumünzen, zehrt der 57-jährige Edutainer bis heute.

Am 6. Oktober stellt Willemsen im Rabenhof sein neues Buch "Momentum“ vor. Ein ebenso unterhaltsamer wie inspirierter Abend ist garantiert.


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