Ein Schäferstündchen im Spukwald

Feuilleton | Begegnung: Florian Obkircher | aus FALTER 40/12 vom 03.10.2012

Auch als 70-Jähriger blickt John Cale nach vorne: Über Velvet Underground will er nicht sprechen, dafür über Hip-Hop

Ich bin Komponist, kein Verwalter der Vergangenheit!“ Das stellt John Cale gleich zu Beginn des Gesprächs fest. Sein Blick ist entschlossen, die Miene ernst. Das Ambiente dagegen: bizarr. Mit knallgrünem Hemd, violetter Samtjacke und weißem, wuscheligem Haar sitzt er streng aufrecht auf einem schmucken viktorianischen Polstersessel. Gäbe es in Tim Burtons LSD-Märchen "Alice im Wunderland“ einen übelgelaunten Grafen, der Musiker wäre in diesem Moment die Idealbesetzung.

Über den 45. Geburtstag des Meisterwerks "The Velvet Underground & Nico“ will er nicht sprechen. Auch nicht über seine damaligen Bandkollegen. Am besten die Vergangenheit überhaupt ausklammern. "Nichts für ungut, aber ich will das nicht noch einmal durchkauen“, sagt er höflich, aber bestimmt. "Es gibt doch so viel Neues zu besprechen.“

Das gibt es in der Tat. Denn während Lou Reed seine


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige