Die Arbeit von Frau Sisyphos

Feuilleton | Filmkritik: Daniela Strigl | aus FALTER 40/12 vom 03.10.2012

Dem Regisseur Julian Pölsler gelingt es, den Roman "Die Wand“ faszinierend vieldeutig zu verfilmen

Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer hat sein Erscheinen bei der Steyrer Galapremiere der Verfilmung von Marlen Haushofers Roman "Die Wand“ abgesagt. Man fragt sich: Was könnte es für einen oberösterreichischen Landeshauptmann an diesem Tag Wichtigeres geben?

Marlen Haushofer (1920-1970) wurde als Maria Helene Frauendorfer im oberösterreichischen Frauenstein geboren, lebte in Steyr und gehört zu den bedeutendsten deutschsprachigen Autorinnen des 20. Jahrhunderts. Ihr Roman "Die Wand“ (1963) ist in Haushofers Heimat am Fuße des Sengsengebirges angesiedelt - und Julian Pölslers Film wurde nicht weit davon im Gosautal gedreht. Mehr Oberösterreich geht nicht.

Zugleich ist "Die Wand“, in 19 Sprachen übersetzt, ein Weltbuch. Als es vor fast 50 Jahren erschien, traf es den Nerv der Zeit: das Unbehagen in der Wirtschaftswunderkultur und die Angst vor dem Atomkrieg. Haushofers


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