Denkmäler für den letzten Menschen

Feuilleton | Würdigung: Matthias Dusini | aus FALTER 40/12 vom 03.10.2012

Das Kunsthistorische Museum feiert den Bildhauer Joannis Avramidis, der sich vor der Moderne in die Antike rettete

Joannis Avramidis, der erst unlängst seinen 90. Geburtstag feierte, gehört zu jener Generation, die nach den Schrecken des Weltkriegs an eine traditionelle Auffassung von Figürlichkeit anknüpfte, humanistisch sein wollte, nicht avantgardistisch.

Die Avantgardekunst hatte den idealistischen Körper sexualisiert und auf die blanke Konstruktion reduziert. Nach 1945 musste erst einige Zeit verstreichen, bis die Künstler und ihr Publikum diesen radikalen Schritt erneut zu gehen bereit waren. "Die menschliche Figur hat in der modernen Zeit gelitten“, meint Avramidis, der letzte Humanist.

An der Akademie studierte Avramidis bei Fritz Wotruba. Der aus dem politischen Exil zurückgekehrte Bildhauer vertrat eine gemäßigte Moderne, abstrahierte die plastischen Formen zu Kuben, das Thema Mensch aber gab er nicht auf. Wotruba erkannte das außergewöhnliche Talent des Studenten, dessen


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