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Feuilleton | aus FALTER 40/12 vom 03.10.2012

 Kurz besprochen: die Literatur und das Leben

Ost-westliche Badewann’

Ahmet Râsim: Dampfbad der Wollust. Novelle. Manzara, 290 S., € 13,40

Noch heute leitet man die angebliche "Reformunfähigkeit“ der Türkei gerne vom Osmanischen Reich her: "Der kranke Mann am Bosporus“, erstarrt und todgeweiht, weil unfähig, sich kulturell, politisch und industriell zu modernisieren, wurde im 19. Jahrhundert von Westmächten künstlich am Leben erhalten, um die russische Expansion einzudämmen. Wer so denkt, geht der Propaganda Atatürks auf den Leim, lehrt der produktive und umfassend interessierte Turkologe M.R. Heß in seinem langen Einführungsessay zum Werk des renommiertesten und fleißigsten Schriftstellers der Zeit um 1900, Ahmet Râsim (1865-1932).

Wie die spätosmanische Kultur selbst war dieser hin- und hergerissen zwischen West und Ost, Aufklärung und Traditionsliebe. Dieses Büchlein verleugnet den Feuilletonisten und erzieherischen Aufklärer nicht: Leichthändig und ironisch


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