Ohren auf  

Soundmaschinen mit einer Mission

# Sammelkritik: Techno für alle Lebenslagen

Feuilleton | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 40/12 vom 03.10.2012

Neben Jeff Mills und "Mad“ Mike Banks zählt Robert Hood zu den wichtigsten Produzenten der um 1990 einsetzenden Second Wave of Detroit Techno. Aufgrund seines epochalen Albums "Minimal Nation“ (1994) gilt er auch als Miterfinder von Minimal Techno. Wobei "Minimal“ bei dem Mann aus der Motor City noch etwas anderes meinte: kantige Rhythmusgerüste mit viel Funk.

Zuletzt hat Hood ein großes Interesse am Albumformat gezeigt. Nach dem Science-Fiction-haften "Omega“ (2010) legt er mit "Motor - Nighttime World Vol. 3“ (Music Man) den dritten Teil einer einst mit einer Veröffentlichung beim Wiener Cheap-Label gestarteten Serie von Alben vor - und sein vielleicht bestes Werk überhaupt. Der Mann hat eine Mission: Auf "Motor“, einer Auseinandersetzung mit der wirtschaftlichen und musikalischen Geschichte seiner Heimatstadt, arrangiert er Techno als großes Narrativ, das über fast 80 Minuten spannend bleibt. Soundwissenschaft mit viel Seele und Hirn.

Naturgemäß ein wenig abstinken muss dagegen "Noir“ (Poker Flat), das an sich sehr ambitionierte neue Album des deutschen Minimal-House-Funkateers Steve Bug. Obwohl der Mann über viele Jahre einen ganz eigenen Groove kultiviert hat und hier auch mit neuen Soundästhetiken herumprobiert, bleibt "Noir“ vergleichsweise schwammig und nichtssagend. Denn wo Hood an die Substanz geht, bietet Bug hübsches Malen nach Zahlen.

In einer eigenen Liga spielt die Wiener Analog-Technoband Elektro Guzzi, die seit ihrem 2010 erschienenen Debüt einen echten Lauf hat; zuletzt bekam das Trio etwa den renommierten EBBA-Award zugesprochen. Doch die Rhythmus-und-Sound-Maschine Jakob Schneidewind (Bass), Bernhard Breuer (Schlagzeug) und Bernhard Hammer (Gitarre) ruht sich nicht auf ihren Lorbeeren aus. Auf der treffend betitelten halbstündigen "Allegro EP“ (Pomelo; ab 8.10.) veröffentlichen sie vier neue Tracks mit viel Rumms, ohne es an Zwischentönen und Anspielungen fehlen zu lassen. "Jangu“ zitiert Detroit-Mann Jeff Mills, womit sich der Kreis schließt.


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