Design für alle: Ick bau ein’ Berliner

Stadtleben | Bericht: Christopher Wurmdobler | aus FALTER 40/12 vom 03.10.2012

Noch mehr Open Design zeigt das Wien Museum. Häuser und Möbel basteln inklusive

Occupy-Zeltlager waren gestern. Jetzt wo der Winter kommt, kommen die Häuser. Auf dem Karlsplatz wird diese Woche Wiens erstes "One Sqm House“ entstehen. Das Ein-Quadratmeter-Haus ist eine Erfindung des Berliner Architekten Van Bo Le-Mentzel, und der Bau ist ganz bestimmt bei den Behörden angemeldet. Schließlich ist das der diesjährige Beitrag des Wien Museums zur Vienna Design Week, die noch bis Sonntag läuft.

Van Bo Le-Mentzel kommt erstmals nach Wien und hinterlässt mit seinen Open-Design-Projekten hier hoffentlich einen bleibenden Eindruck. Das Haus-Konzept des Berliners ist für gentrifizierte Stadtteile vorgesehen, also angesagt und teuer gewordene, ehemalige Szeneviertel, in denen der Quadratmeter Wohnfläche 5000 Euro und mehr kostet.

Das kleinste Haus der Welt soll genug Platz bieten, um darin zu sitzen; schlafen geht aber nur, wenn der Bewohner sich sehr krumm macht. Wobei wir beim Punkt wären: Natürlich ist die Aktion politisch zu verstehen, setzt sich mit Stadtraum, Immobilienwirtschaft und Spekulation auseinander. Weshalb vorm Wien Museum nach dem Hausbau-Workshop wahrscheinlich nicht gleich die ersten Mieter einziehen werden. Und überhaupt: die Heizung!

In einem weiteren Workshop wird Van Bo Le-Mentzel aber seine Hartz-IV-Möbel vorstellen und mit den Teilnehmern auch welche herstellen. Hinter diesem Projekt, zu dem es auch einen Blog gibt, auf dem man Baupläne und -anleitungen gratis herunterladen kann, steckt die Idee "Konstruieren statt Konsumieren“ und dass man gutes Design auch Menschen ohne Geld (also Hartz-IV-Empfängern) zugänglich machen kann. Beeinflusst von Klassikern der Designgeschichte sind so ein "24 Euro Chair“, der "Berliner Hocker“ oder der "Kreuzberg 36“-Sessel entstanden. Selber bauen wie bei Ikea, aber tatsächlich noch viel billiger. Im Wien Museum baut der Architekt am Freitag ab 18 Uhr den Hocker.

Infos zu den Hartz-IV-Möbeln:


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