Zwischen Bierzelt und Boutique

Literatur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 41/12 vom 10.10.2012

Anna Weidenholzers Provinzroman "Der Winter tut den Fischen gut“ punktet mit Ernsthaftigkeit und Humor

Auf dem Cover sind acht verdorrte gelbe Rosen zu sehen, die mit Klebeband an der Wand fixiert wurden. Die Blümchentapete dahinter war vielleicht in den Tiefen des vergangenen Jahrhunderts einmal Dernier Cri.

Schon der Umschlag deutet an, dass hier kein Blasmusikpop gespielt wird. Die Provinz, in der dieser Roman spielt, hat nichts Putziges, sondern ist bloß auf eine etwas fade Art normal. Es gibt Bierzelte und Boutiquen, Kfz-Werkstätten und Geisterbahnen, Coca-Cola und Rindfleisch aus dem Kelomat.

Dass sich eine Autorin, die 1984 in Linz das Licht der Welt erblickt hat, für diese Welt und deren Bewohner interessiert, ist keineswegs selbstverständlich. Ist die nicht viel zu jung, um all das aus eigener Anschauung erlebt zu haben?! Die Frage drängt sich auf, führt aber nicht weit. Schließlich wird literarische Authentizität nicht durch Selbsterlebtes verbürgt, sondern durch die


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