Flugmaschine mit leichtem Motorschaden: Romandebüt von Teresa Präauer

Literatur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 41/12 vom 10.10.2012

Dieses Buch macht es dem Rezensenten leicht. Er kommt gar nicht in Versuchung, verwickelte Handlungsstränge aufzudröseln und ein aufwendiges Figureninventar herunterzubeten. Die gibt es nämlich nicht. Stattdessen - eine schön schlichte Situation, die variiert und entwickelt wird: Die Eltern sind unterwegs, die kleinen Kinder bei den Großeltern untergebracht. Die Post von Mama und Papa wird den Enkerln vorgelesen, allerdings unter großzügiger Auslegung des Inhalts: "Was eure Eltern auf den Karten schreiben, bringt euch nicht durchs Leben.“

Abgesehen von der überschaubaren Personenkonstellation - zu den genannten Figuren kommen noch eine Pilotin, ein Schwarm Vögel und die Erinnerungen des Großvaters - und dem Generalthema, das vom Fliegen und den dafür nötigen Maschinen handelt, macht es das Romandebüt der aus Linz gebürtigen Teresa Präauer (Jg. 1979) dem Rezensenten aber nicht ganz einfach; denn eine Frage drängt sich hier doch mit einer gewissen Vehemenz auf: Was will uns die Autorin damit sagen?

Man kann Präauer nicht vorwerfen, vorsätzlich kompliziert zu schreiben. Die Metaphorik ist unprätentiös, die Sprache klar und einfach gehalten, vermag den Leser satzweise auch immer wieder zu entzücken: "Die Rollfeldbesitzer sind Flieger aus Leidenschaft, und sie erzählen einen Abend lang von Metallen und Motoren.“ Nur wird aus der Aneinanderreihung solcher Sätze und hübscher Szenen, die sich mitunter lesen, als wären sie einem Drehbuch für einen Animationsfilm à la Švankmajer entsprungen, noch kein Roman. In einer Erzählung von ein paar Dutzend Seiten hätte man dieser seltsamen Flugmaschine beglückt nachgeblickt. Auf 140 Seiten erwartet man sich, dass sie auch einmal abhebt und wo ankommt.


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