Offene Stadt, hybride Identität

Literatur | Thomas Ballhausen | aus FALTER 41/12 vom 10.10.2012

Teju Cole schickt einen Psychiater auf Streifzüge durch Manhattan - und belebt die Figur des Flaneurs neu

Die offene Stadt, das ist die im Kriegsrecht als unverteidigt beschriebene Siedlung, die nicht angegriffen, sehr wohl aber besetzt werden darf. In einer zweiten, weniger militärischen Leseweise erweist sich die offene Stadt aber auch als der urbane Raum, der sich dem geneigten, aufmerksamen Spaziergänger zum produktiven Herumstreifen und zur Stiftung neuer Bedeutungen anbietet.

Seit der Popularisierung dieser oftmals auch künstlerisch genutzten Strategie - der sogenannten Psychogeografie - durch die Situationisten und ihre Galionsfigur Guy Debord gehen beide beschriebenen Bedeutungen, unabhängig vom damit verbundenen, weiter reichenden literaturgeschichtlichen Unterbau, oft ineinander über. Und wenig zufällig bedient sich auch der US-amerikanische Schriftsteller Teju Cole beider Ebenen in der gelungenen Verhandlung seiner titelspendenden "Open City“.

Er lässt seinen Protagonisten


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