Die zweite Geburt des Eduard Sawenko

Literatur | Tobias Heyl | aus FALTER 41/12 vom 10.10.2012

Emmanuel Carrère hat eine Romanbiografie des wilden ukrainischen Outlaws Limonow geschrieben

Als Schüler hat Eduard Sawenko einen Vorsatz gefasst, dem er sein Leben lang treu bleiben sollte: Er wollte einer werden, den man nicht schlägt, weil er sonst tötet. Das muss Mitte oder Ende der 1950er-Jahre gewesen sein. 1943 war er im ukrainischen Charkow in arme Verhältnisse geboren worden.

Als junger Mann bedroht er dann ein Mädchen mit einem Messer, gerät in eine wüste Prügelei und landet im Gefängnis. Damit ist er aus der Gesellschaft katapultiert. Als er seine Strafe abgesessen hat, taucht er in der Boheme von Charkow unter, schreibt Gedichte und erfindet sich einen emblematischen Künstlernamen: Limonow, denn sein Humor ist so bitter wie eine Zitrone (limon) und so aggressiv wie eine Handgranate (limonka).

Emmanuel Carrère wurde 1957 in Paris geboren und wuchs im noblen XVI. Arrondissement auf. Sein Großvater war aus Georgien nach Frankreich emigriert und kollaborierte während


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