Vermögensungleichheiten und moralische Probleme

Sachbuch | Sebastian Kiefer | aus FALTER 41/12 vom 10.10.2012

Wirtschaft: Die Thesen des US-amerikanischen Ökonomen Joseph Stiglitz verdienten es, auch hierzulande bedacht zu werden

Nein, Deutschland, das derzeit den Zuchtmeister spielt und dem Rest Europas im Verein mit EZB und IWF das "Erfolgsmodell“ eines "liberalisierten“ Arbeits- und Kapitalmarktes aufzwingen will, ist schon längst nicht mehr die wohlhabendste Nation Europas. Das Durchschnittsvermögen der Deutschen ist längst geringer als das der westeuropäischen Nachbarn, sodass jetzt seine ohnehin geschröpften Normalverdiener auch noch zu Transferleistungen an Italiener gezwungen werden, die im Schnitt ungleich vermögender sind, nächstens gar an Belgier, deren Pro-Kopf-Vermögen mehr als 70 Prozent höher liegt.

Deutschland hat eines der unsozialsten Steuersysteme Westeuropas, eine chronisch niedrige Reinvestitionsquote, sinkende Reallöhne, das rückständige Bildungssystem verstärkt die Klassentrennung, der Niedriglohnsektor ist zum größten der OECD-Länder geworden, die Rentenkassen


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