Altersmild statt wild: Oliver Stones "Savages“

Lexikon | aus FALTER 41/12 vom 10.10.2012

Über ein kalifornisches Glitzerwellenpanorama legt Oliver Stone den Titel seines neuen Films "Savages“. Ähnlich paradox geht es weiter in diesem Thriller. Den jungen, schönen Hauptfiguren werden ununterbrochen tödliche Bedrohung und moralische Verrohung in Aussicht gestellt; und doch ist alles in sattgoldenes Sonnenlicht getaucht und nachgerade gemächlich auserzählt. Es ist so: Ben und Chon haben das beste Gras der USA gezüchtet und damit relativ gewaltfrei viel Geld verdient. Als sie es sich mit einem mexikanischen Drogenkartell verscherzen, wird beider Liebhaberin O entführt und als Geisel gehalten. Es beginnt ein verwinkelter Machtkampf, an dem sich Kartellhandlanger Benicio Del Toro und Drogenpolizist John Travolta (beide vergnüglich) beteiligen. Der früher manische Stone interessiert sich nicht besonders für die stilistischen Spielereien, die sich Don Winslow in der Romanvorlage leistet, und auch nicht für eine Dramaturgie moralischen Verfalls, wie sie derzeit die Serie "Breaking Bad“ mit ähnlichem Material durchspielt. Stattdessen erzählt er mit gelassener Anteilnahme, regelrecht altersmilde. Nicht schlecht, trotz blödem Ende. JOACHIM SCHÄTZ

Ab Fr in den Kinos (OF in Artis und Haydn)


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