Vor 20 Jahren im Falter Wie wir wurden, was wir waren

Projekt nackt

Falter & Meinung | aus FALTER 41/12 vom 10.10.2012

Nackte Frauen auf dem Falter-Cover und kein Proteststurm? Ach so, Tanztheater. Die japanische Buto-Tänzerin Carlotta Ikeda, interviewt von Sabine Perthold, erklärte ihre Suche nach der puren Weiblichkeit im Centerfold denn auch vollkommen bekleidet.

Ein ganz nackter junger Mann hingegen brachte "Falter-Abonnenten“ Freude und versprach einen Festivalpass für lau für die Veranstaltung "ErotiKreativ“ im Wuk (bei der sich Hermes Phettberg nackt und gefesselt ausstellen ließ). Das Inserat versprach: "Wenn Sie Abonnent/in sind oder gerade werden, dann schenken wir Ihnen einen Festivalpass im Wert von öS 545,- für folgende Veranstaltungen: ErotiKreativ Filmtage, Die Nacht des Fetischs und der Phantasie, Fest mit striktem Dresscode (Lack, Leder, Gummi, Eisen …) sowie das Abschlussfest mit ‚Mode‘-Performance.“ Ach ja, der junge Mann war nicht ganz nackt. Er trug einen Plastiksack über dem Kopf.

Zu Kräftigem aufgelegt war wieder einmal Jan Tabor, der gutgelaunt das Denkmalamt als Verhinderer der Moderne hinstellte. "Inkompetent und machtlos“ sei es in Fragen der Architektur, deswegen möge es sich bitte beim Museumsquartier zurückhalten. Soll keiner sagen, der Falter hätte nicht rechtzeitig gewarnt. Das Ergebnis ist bekannt: Leseturm nicht gebaut, zweitrangige Fischer-von-Erlach-Fassade erhalten, Moderne erfolgreich abwattiert.

Roland Koberg und Christian Zillner legten nach und stellten sich ebenfalls an die Seite des Architekten Laurids Ortner. "In der Debatte um Laurids Ortners Projekt war es für die Wiener Sozialdemokraten freilich ein Leichtes, die Buhmänner in der Opposition auszumachen. Warum aber bleibt ihre Angriffslust rein verbal?“ Nicht Tätlichkeiten, nur Taten wollten die Autoren sehen, statt der ewigen Suche nach dem Konsens.

Stadtrat Hannes Swoboda erklärte Doris Knecht und Klaus Nüchtern (sieh an, die machten vor 20 Jahren gemeinsam Interviews!), die Kompromissbereitschaft der Gemeinde diene vor allem dazu, eine Volksbefragung zu vermeiden, denn die wäre das Ende des Projekts. AT


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