Meinesgleichen ORF-Debatte: Wunscherfüller versus Erbsenzähler

Falter & Meinung | aus FALTER 41/12 vom 10.10.2012

Die KommAustria, die österreichische Kommunikationsbehörde, hat am 4.10. einen Bescheid herausgegeben, demzufolge der ORF in den Jahren 2010/11 seinen Auftrag als öffentlich-rechtlicher Sender nicht erfüllt habe. Riesige Aufregung! Verrückte Statements des ORF scheinen zu beweisen, dass er nicht verstanden hat, worin sein Auftrag besteht. Die Behörde wolle "ein Quotenfernsehen, das nicht in Ansätzen den Wünschen und Konsumgewohnheiten der Gebührenzahler entspricht“, sagte ORF-Chef Alexander Wrabetz in einer Aussendung. Als wären nicht gerade die Wünsche und Konsumgewohnheiten des Publikums das schlechteste Argument eines öffentlich-rechtlichen und das beste eines privaten Senders.

Umgekehrt ist die Methode der Behörde lächerlich. Rein quantitativ werden Kultur- und Informationssendungen gegeneinander abgewogen (nur drei Prozent Kultur gegen 50 Prozent Unterhaltung!). Am Ende der Minuten- und Erbsenzählerei steht die Beruhigung: Durch die Spartensender ORF III und ORF Sport plus habe sich das Problem mittlerweile erledigt. Beschwerde hatte der VÖP geführt, der Verband österreichischer Privatsender, in dem sich sämtliche großen Medienhäuser des Landes befinden. Darüber liest man wenig. Ihr Interesse ist klar: Den Konkurrenten ORF kleinkriegen. Die Behörde tut gerne mit, indem sie bloß Minuten zählt. Der ORF verweigert die qualitative Debatte im ORF selbst und vernebelt damit ebenfalls das Thema. F

Aus dem Bescheid der KommAustria:

¦ "Der ORF hat in seinem TV-Gesamtprogramm im Zeitraum vom 1. Jänner 2010 bis zum 31. August 2011 nicht dafür gesorgt, dass die Kategorien Information, Kultur, Unterhaltung und Sport in einem angemessenen Verhältnis zueinander standen“


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