Kommentar Arbeitsmarkt

Transparente Löhne? Warum die Wirtschaft dagegen ist

Falter & Meinung | Ingrid Brodnig | aus FALTER 41/12 vom 10.10.2012

Da zürnt der Koalitionspartner. Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) fordert mehr Gehältertransparenz. Auch Kleinbetriebe, also Firmen ab 25 Mitarbeitern, sollen ihre Durchschnittseinkommen offenlegen und angeben, wie viel Männer und Frauen in vergleichbaren Positionen durchschnittlich verdienen.

Großbetriebe ab 500 Mitarbeitern müssen das schon jetzt tun, ab 2014 auch Firmen mit mindestens 150 Angestellten. Klingt nach totaler Transparenz, in Wahrheit wird aber nur der Durchschnitt ermittelt. Der Einzelne oder die Einzelne kann dann nachschauen: Verdiene ich mehr als die Kollegen in vergleichbarer Position? Verdiene ich weniger?

So gewagt ist der Vorschlag von Frauenministerin Heinisch-Hosek also gar nicht, und trotzdem schütteln die Konservativen gleich den Kopf. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) sagt im Standard: "Damit läuft man Gefahr, die Privatsphäre der Arbeitnehmer zu verletzen.“

Suggeriert wird: Zeig den anderen bloß nicht, was du verdienst, sonst wird dir etwas weggenommen! Das Gegenteil ist der Fall - und das weiß die Wirtschaft auch. Wenn Gehälter transparent gemacht werden, führt das zu einem allgemeinen Lohnanstieg. Dann penzen jene beim Chef, die bis dahin unterdurchschnittlich verdienten. Und Spitzenarbeitskräfte sehen, wie viel andere Topleute kriegen.

Dies zeigt auch die Erfahrung der deutschen Manager. Die müssen mittlerweile ihr Gehalt offenlegen. Damit sollten Irrsinnseinkommen vermieden werden. Das Gegenteil trat ein. Plötzlich sah Manager A, dass sein Kollege Manager B viel mehr verdiente und forderte dieselbe Spitzengage. So ist das mit Gehältertransparenz: Alle wollen dann mehr. F


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