Mediaforschung Verführungskolumne

Warum sollen die Wiener lächeln, Herr Gecgel?

Medien | aus FALTER 41/12 vom 10.10.2012

Nachdem im September auf der Online-Videoplattform Youtube Ausschnitte eines islamfeindlichen Films aus den USA aufgetaucht waren, kam es in vielen Teilen der islamischen Welt zu schweren Ausschreitungen, die der US-Botschafter in Libyen nach einem Raketenangriff von Islamisten sogar mit seinem Leben bezahlen musste.

Wer in diesen Tagen durch Wien spaziert, kann Dutzende City-Light-Poster sehen, die etwas an eine Marlboro-Schachtel gemahnen und auf denen steht: "Dein Lächeln, eine Wohltat! Prophet Mohammed“.

Sind diese öffentlich ausgestellten Worte eine Reaktion der muslimischen Gemeinde in Wien auf den islamistischen Rachedurst?

Die Antwort lautet: jein. Die Poster sind der siebente Teil einer Serie, die es in Wien und Niederösterreich seit 2006 gibt; damals wurde die Kampagne von der Islamischen Föderation in Wien (IFW) initiiert, als Antwort auf die (ebenfalls blutigen) Proteste in der muslimischen Welt gegen eine dänische Zeitung, die Mohammed als Terroristen dargestellt hatte.

Die IFW bezeichnet sich selbst als humanitäre Organisation für Muslime in Österreich, sie hat rund 7000 Mitglieder. Sprecher Yakup Gecgel sagt, man wolle mit der Aktion zeigen, dass "wir Muslime friedliche Menschen sind“. Der Slogan "Dein Lächeln, eine Wohltat!“ wird Mohammed zugesprochen und soll für "ein gutes Miteinanderauskommen aller Menschen in Wien und Österreich“ plädieren.

Insgesamt sind 490 City-Light-Poster in Wien, Baden, Krems, St. Pölten und Wiener Neustadt mit dem Spruch versehen. Mit dem aktuellen Streit um den islamfeindlichen Film habe die Kampagne aber nichts zu tun, die Werbeflächen hätten bereits vor acht Monaten gemietet werden müssen, sagt Gecgel. Er freue sich nun aber über das gute Timing.

Wolfgang Zwander


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