Früher war "Retro“ was für Sitzenbleiber

Feuilleton | Essay: Thomas Edlinger | aus FALTER 41/12 vom 10.10.2012

"Neu“ war einmal. Aber welche Vergangenheit begehren wir, wenn wir uns diversen Retro-Trends hingeben?

Das neue Trendviertel von Paris nennt sich nach Soho in New York SoPi, South Pigalle. In den Bäckereiauslagen sind pizzagroße Brote um den Preis eines Mittagsmenüs zu sehen. Ein nostalgisches Bild der Vergangenheit ist eben nützlich, wenn man die Gegenwart auch in Zukunft touristisch ausschlachten will - das wissen auch die Hallstadt-Kopisten in China.

Michel Houellebecq äfft in seinem jüngsten Roman "Karte und Gebiet“ den Jargon der Imagepfleger nach. Der fiktive Hotelreiseführer "French Touch“ preist Charming Hotels an, die mit barock verschnörkelten Logos locken. Der Retrogarde-Reiseführer nennt den Trend zu seelenwärmenden Gerichten "nach Großmutters Art“ Vintage-Gastronomie.

Das englische Wort "Vintage“ bedeutet eigentlich "Weinlese“. Im übertragenen Sinn steht es für besondere Jahrgänge. Der Blick auf die ästhetischen Reize von Vintage-Make-up, -Mode und -Tapete


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