Die Kunst aus der Steckdose


Erleuchtung: Matthias Dusini

Feuilleton | aus FALTER 41/12 vom 10.10.2012

Das Museum moderner Kunst ehrt den Minimalisten Dan Flavin. Hinter dessen Anti-Kunst-Haltung gilt es, den Romantiker zu entdecken

Am 25. Mai 1963 ging Dan Flavin in seinem Atelier ein Licht auf. Da befestigte er an der Wand eine gelbe Leuchtstoffröhre, nicht senkrecht oder waagrecht, sondern - wie ein abschussbereites Geschütz - diagonal vom Boden aufsteigend. Das Werk mit dem Titel "The Diagonal of May 25, 1963 (to Constantin Brancusi)“ machte aus einem mäßig originellen Maler einen Raumkünstler - und ein Aushängeschild der US-Kunst.

Die von Flavin auch etwas kryptisch als "Diagonale der persönlichen Ekstase“ bezeichnete Erleuchtung gab der Entwicklung der Kunst eine neue Richtung. Nicht nur Skulpturen oder Bilder gelten seither als Kunstwerke, sondern auch Leuchtstoffröhren und ihr Licht. "Wir bewegen uns herab zur Kunstlosigkeit, zu einem neutralen Genuss am Sehen, den jeder kennt“, orakelte Flavin. Er behielt nicht Recht.

Obwohl sich jeder um ein paar Euro seinen eigenen

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