Urbanes Betragen

Stadtleben | aus FALTER 41/12 vom 10.10.2012

Benimmfibel für Großstadtmenschen (85)

Herr J. fragt, ob ihn die Tatsache, dass er frisch verheiratet ist, dazu verpflichtet, gegen seinen Willen seinen Schreibtisch, Spind, Computer und Handy mit Fotos seiner Angetrauten zu versehen?

Die Problematik ist eine altbekannte, und in Wahrheit geht es dabei um die Markierung des Eigentums. Sei es nun, wie im Tierreich weit verbreitet, mittels olfaktorischer Hinterlassenschaft, oder, wie einst und heute wieder en vogue, mittels Brandzeichen bzw. als Tattoo, auf Lebzeit sichtbar - die Message ist und bleibt dieselbe: "Du bist mein.“ Eigentlich hatte man sich unter Eheleuten auf Markierungsringe geeinigt, doch missverstehen viele derlei Zugehörigkeitsoutings als Liebesbeweis à la je mehr Insignien, desto größer die Liebe. Ein Trugschluss, denn nur freie Liebe ist gute Liebe. Deshalb, lieber Herr J.: Nein, Sie sind keinesfalls verpflichtet, Ihre Gefühle öffentlich auszustellen! F

Noch Fragen? stadtleben@falter.at


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