Stadtrand Urbanismuskolumne

Ein Leben wie ein junger Hund

Stadtleben | aus FALTER 41/12 vom 10.10.2012

Seit kurzem kniet frühmorgens am Straßenrand nahe einer Meidlinger U-Bahn-Station ein Mann. Neben ihm liegt ein junger Cockerspaniel auf einer dicken Wolldecke, während er selbst auf dem nackten, morgenfrostigen Betonboden ausharrt.

Natürlich ist der Neuankömmling auch den drei Damen nicht entgangen, die sich allmorgendlich mit ihren Dackeln in der nahen Hundezone treffen. "’s a Wahnsinn bitte! Der oame Hund, den ganzen Tag in der Kält’n, und fad is eam ja a!“, sagt die eine. Die anderen nicken zustimmend. "I wollt eam den Hund eh scho wegnehmen, owa der gibt eam ned her. Vorgestern bin i eam nachgangen, wiera mit an Rucksack die Meidlinger Hauptstraße raufgangen is. Dann bin i zur Polizei gangen und hab s’ gfragt, ob’s in letzter Zeit mehr Diebstähle geben hat in der Gegend. Und dass eam den Hund wegnehmen sollen, hab i gsagt. Die ham gsagt, des geht ned, der hat an Chip. Gibt’s des a?!“

Ungläubiges Kopfschütteln. Am Ende wird man sich einig, eine Dose Hundefutter zu spendieren. Geld könnte der Mann am Ende noch für sich selbst verwenden. F


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige