Viel Nasch, kaum Markt


Lokalkritik: Florian Holzer

Stadtleben | aus FALTER 41/12 vom 10.10.2012

O nein! Eine Sektbar ersetzt die beste Fleischhauerei am Naschmarkt

Das Alter von Herta Gruber war schlecht einzuschätzen. Einerseits wirkte sie mit ihren blonden Zöpfchen wie ein Schulmädchen, andererseits sprachen die prähistorischen Zeitungsausschnitte, die an ihrem Stand klebten und auf denen sie auch schon wie ein Schulmädchen aussah, eine andere Sprache. Bei Frau Gruber bekam man jedenfalls die besten Steaks der Stadt, aus dem Mühlviertel, früher vom Ochsen, seit ein paar Jahren von der Kalbin, Beiried und Hochrippe von hierzulande nur selten gesehener Marmorierung und Reife. Bei Hitze und Eiseskälte stand sie in dem offenen Geschäft und hieb mit diesem riesigen Beil in ihren alten, gichtigen Händen die Steaks vom ganzen Stück.

Eines Tages war der winzige Stand gleich neben dem Durchgang in der "Schnöselzone“ des Naschmarkts dann zu, das kam schon einmal vor; aber viel schlimmer war die Tatsache, dass er nicht mehr aufmachte. Gerüchte machten die Runde, von einer Steak-Boutique

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