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Falters Zoo | aus FALTER 41/12 vom 10.10.2012

Eigentlich sind wir zu alt für ein Festival. Auch wenn Waves Vienna ein Clubfestival in der Stadt ist und wir im eigenen Bett schlafen können und nicht im Gatsch zelten müssen. Aber drei Tage lang volles Programm rund um die Uhr, nein, das macht der Körper nicht mehr mit. Begonnen hatte ja alles noch recht gemütlich. Bei der offiziellen Eröffnung von Waves vergangenen Donnerstag im Gartenbau wurde noch entspannt Sekt geschlürft und ein Film rund um das Abschiedskonzert von LCD Soundsystem geschaut. Ab dann ging es allerdings drei Nächte lang im Laufschritt durch Fluc, Flex, Pratersauna und rauf aufs Clubschiff. Dort hat überall irgendwas ganz Tolles gespielt, wir haben bestimmt die Hälfte verpasst. Von der auch stattfindenden Konferenz ganz zu schweigen. Ganz super waren auf alle Fälle der Siluh-Labelabend, Fenster und Rangleklods. Sicher noch supriger, aber nicht mehr zu schaffen war die P-Abteilung: Ghost Poet, Pantha du Prince und Gold Panda. Und am besten: die lauen Herbstnächte mit ganz vielen Menschen aus aller Welt. Bis zum nächsten Jahr haben wir uns dann vielleicht auch wieder erholt.

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Wer Wim Wenders sagt, sagt auch "Paris Texas“ (oder "Himmel über Berlin“). Was viele noch nicht wussten, ist, dass der Filmemacher auch Fotos macht. Und genau die sind noch bis Mitte November in der Galerie Ostlicht zu sehen. Ostlicht-Macher Peter Coeln und Verena Kaspar-Eisert hatten Wenders nach Wien geholt, ihm zu Ehren in der Ankerbrotfabrik ein Galadinner veranstaltet - gekocht hat dann aber der michelinbesternte Juan Amador - und dann noch zur Galaparty mit DJs Joyce Muniz oder dem Functionist geladen. Und da war es dann so weit: Wim Wenders stellte sich selbst hinter die Turntables und legte selbst Musik auf. Der Mann ist nicht nur Film- und Fotomacher, sondern auch noch DJ. Hätte er ja auch gleich noch selber kochen und Getränke mixen können.

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Mit einem "Restlessen“ endeten die Vienna Design Week und die Vollpension, der Beitrag der Gebrüder Stitch Moriz Piffl und Michael Lanner zum Wiener Designfestival. Im Hosenlabor Mariahilf hatten die beiden Maßjeansboys jede Menge Oma-Möbel, Filterkaffee, Kardinalschnitten und echte Senioren bereitgestellt und mit dem typisch lockeren Stitch-Schmäh alle gepackt, denn: "Wenn was übrigbleibt, spielt’s sowieso Granada.“ Hat’s dann aber doch nicht. Und bevor wir jetzt ein Jahr lang das Festival hier hinten nicht mehr erwähnen, noch was zu Tulga Beyerle und Lilli Hollein, den beiden Direktorinnen der Veranstaltung. Die sind nämlich gerade auf dem besten Wege, "Österreicherinnen des Jahres 2012“ zu werden. Die Presse hat sie in der Kategorie "Creative Industries“ nominiert. Bis Freitag darf man noch abstimmen. Klick.

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Apropos: Wir sind schuld. Also wir, die wir per Mausklick darüber abgestimmt haben, wie die Wiener Linien künftig klingen sollen. Und jetzt klingen sie nach Angela Schneider. Die gelernte Schauspielerin und Sprecherin löst Franz Kaida ab, der mehr als 40 Jahre lang für die Durchsagen in Bim, Bus und Bahn sorgte. Wie die neue Stimme klingt? Ein bisschen zickig.

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Die Sofa Surfers haben ein neues Album ("Superluminal“), das Wolfgang Schlögl und Co mit den beiden neuen Sängern Mani Obeya und Jonny Sass im Wuk präsentierten. Interessant auch das Merchandising: Die Sofa-Herren verkaufen hier schwarze Oberhemden - in denen sie dann auch aufgetreten sind. Sehr elegant. Irgendwie.

barbara schellner

christopher wurmdobler


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