Als das Lesen noch geholfen hat

Feuilleton | Porträt: Erich Klein | aus FALTER 42/12 vom 17.10.2012

Ljudmila Ulitzkaja ist Russlands berühmteste Schriftstellerin, Putin-Gegnerin und verfügt über einen untrüglichen Instinkt für virulente Themen

Am 4. Februar 2012 sah Moskau Ljudmila Ulitzkaja in ungewohnter Rolle: Die Rednerin, dick vermummt wegen der minus 30 Grad Celsius, begrüßte inmitten der vieltausendköpfigen, gegen das herrschende Regime protestierenden Menge künftige Präsidenten: "Bei freien Wahlen werden wir ehrliche, gebildete und vom System nicht verdorbene junge Menschen wählen!“

Der Applaus für Russlands bekannteste Schriftstellerin hielt sich in Grenzen, Hohn blieb nicht aus. Der egomanische Schriftsteller und Politextremist Eduard Limonow feixte: "Die bürgerliche Ulitzkaja, die bislang immer brav hinterm Ofen saß, macht jetzt bei den Massen für sich Werbung.“ Richtig daran ist, dass die Verfasserin von acht Romanen, von Erzählungen und Theaterstücken für die übliche Anti-Kreml-Hysterie nicht zu haben ist und ihre größten Erfolge in der Ära Putin feierte.


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