Stadtrand Urbanismuskolumne

Im autoritären Lokal: Essen wie bei Muttern

Stadtleben | aus FALTER 42/12 vom 17.10.2012

Es war sicher nett gemeint und man hatte ja vorher den Kellner gefragt, ob die Portion eh nicht so groß sei, man habe keinen großen Hunger. Aber. Dass sich eine Servicekraft beim Abräumen danach erkundigt, ob eh alles "reingepasst“ habe, passiert einem echt nur in Wien.

Erstens war das eine doofe Frage, weil der Teller leergegessen war. Und zweitens wird man doch sonst auch nie gefragt, ob’s geschmeckt hat. Weil man das schließlich sowieso am leergegessenen Teller sieht. Aber wehe man hat nicht aufgegessen! Ist im selben Lokal mit dem charmanten Personal passiert. Der Gast ließ einen Teil seines Essens zurückgehen. Der Kellner so: "Wollen Sie jetzt zu diskutieren anfangen?“ Der Gast, leicht eingeschüchtert: "Lieber nicht.“

Richtig wohltuend die Kellnerin in einem anderen Restaurant, die einen darauf hinwies, dass man soeben zwei Hauptspeisen bestellt habe: "Das ist viel zu viel für Sie!“ Wien ausgesprochen nett. Aber möglicherweise hatte sie auch einfach keine Lust, halbvolle Teller abzuräumen. Vor allem: keine Lust auf Diskussionen.

Christopher Wurmdobler war im Restaurant und hat seinen Teller leergegessen


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