Phettbergs Predigtdienst

Dass ich eine so schöne Sonne zeichne

Kolumnen | aus FALTER 42/12 vom 17.10.2012

Wirklich, ich wollte all die gestrige Tragödie gestionieren, jedenfalls der Zahn hinten unten links muss raus, sagte die Zahnärztin, doch dann erschienen Ali und Timi, es war schon knapp vor meinem Abendessen, und ich ging weder mit spazieren, noch schrieb ich Gestion, sondern ich fraß alle lagernden "Essen auf Räder“ z’samm, bevor das Bakterium, das mir den Zahn ruinierte, diese auch noch wegfraß! Das Antibiotikum war schwächer, mein Bakterium war stärker, und bevor es auch noch das Herz erreicht, muss ich in die Zahnklinik, Frau Göbel kommt nächste Woche mit. Vorher begehe ich den 60. Jetzt geh ich zum alleredelsten Dr. Aschauer, und dann fahr ich mit dem Fahrtendienst ins Buffet der Barmherzigen Schwestern. Weiterfressen, ich werde halt wieder blad! Oh GOTT!

Timi war fad, während er bei mir war, und er begann die Sammlung fürs Leipziger "Rosa Archiv“ zu zerfetzen, wie Barko - der Hund, den Ali vorher betraute - die Bällchen, die mein Schwimmlehrer mir geschenkt hatte, beim ersten Besuch zerfetzte.

Manuel und Eze waren den ganzen Nachmittag bei mir und räumten mein Schlafzimmerarchiv zusammen. Manuel mailte mir auch, wie "Alles Erschleckliche“ aussehen wird. Gott Manuel hat eine von mir gezeichnete Sonne in meinen Schachteln entdeckt und wird dieses Gemälde aufs Cover von "Alles Erschleckliche“ stellen. Und Eze holt von der U-Bahn-Station den soeben erschienenen Falter, wo das erschleckliche Cover bereits abgebildet ist. Viele, viele Jahre war ich immer so ungeduldig und wartete am Karlsplatz auf den erscheinenden Falter. Nun wird Eze in meinem Namen den erscheinenden Falter kaufen und mir Stellen meiner zum 60. vorlesen. Nach wie vor bin ich wie ein spannendes Baby!

Da ich jetzt perfekt mit meinem Rollator durch Gumpendorf komme, geh ich, so ich nur kann, ins Café Jelinek, zumindest auf einen Häferlkaffee & Butterbrot. Doch ich seh schon, das werd ich nie schaffen. Immer muss ich mehr bestellen! Ohne Rollator sah der Weg zum Jelinek unbewältigbar aus. Dass ich eine so schöne Sonne zeichne, hätt ich nie gedacht. Es wird mir das Sterben leichter machen zu wissen, dass viele gut von mir berichten werden. Dannnnnnnn.

Diesen Donnerstag wird "Alles Erschleckliche! Ausgewählte Texte“ (Sensationsverlag) präsentiert: 18.10., 19 Uhr, ehemalige Bar in der Secession ("Rauchsalon“), 1., Friedrichstr. 12

Hermes Phettberg führt seit 1991 durch das Kirchenjahr


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