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Trailer 2012: ohne Sonne, mit Katz und Bart

Viennale | Drehli Robnik | aus FALTER 42/12 vom 17.10.2012

Der Viennale-Trailer will als ultimatives Kurzfilm-Statement cinephiler Melancholie entziffert sein. Schon der Name des Filmemachers, Marker, mit Vornamen Chris, vormals in der Schreibweise "Chris.“, markiert: Hier gilt es, in spielerischer Übersetzung zu lesen - zumal Bilder, die, wie vor 50 Jahren Markers berühmtester (Kurz-)Film "La jetée“, einen Schluss-Punkt ansteuern, eine Schlusspointe. Sie handelt von bitterer Selbstwahrnehmung im Bodenlosen der Zeit.

Zu sehen ist wenig; es sagt alles. Animiert umgeblätterte, krakelig am PC bearbeitete Bilder, der Film eines Franzosen, deutsch "KINO“ betitelt, mit englischen Inserts, darin das Leitmotivwort "look’d“: "Since its birth cinema look’d for ‚the perfect viewer‘.“ Dann eine Revue: Georges Méliès, D.W. Griffith, Orson Welles, J.-L. Godard suchen den idealen Zuschauer. Der ist männlich und erscheint im Schlussbild: Ein Terrorist, den Navy Seals am 1. Mai 2011 töteten, hockt vor einem Monitor; es läuft "Tom & Jerry“. Der Abschiedstitel sagt: "That’s all, Bin!“ Normalerweise heißt es "That’s all, folks!“. Aber das Volk fehlt: Statt roter Mai-Luft oder der Vietcong, die sich in älteren Filmen des linken Essayisten Marker vorm US-Militär verstecken, gibt es Gläubige mit Bart, Kehrseite letzter Fanatiker in der Kinohöhle oder jener teils bärtigen Gläubigen, die zu Filmbeginn um eine Krippe hocken. In der ward Baby KINO gebor’n. Um einst da zu landen, wo Laden zu Recht liegt: im Mülleimer (engl.: bin) der Historie. Chris Marker starb 2012 an seinem 91. Geburtstag.

Gartenbau: Do, 25.10., 19.30 + 23.30 (englOF)


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